Mittragen – Gedanken zu (m)einer Ehe oder: Liebesbrief an meinen Mann

Die Welt ist in Aufruhr. Die große Welt da draußen, mit ihren Widersprüchlichkeiten, dem Hass und der Liebe, der Angst und dem Mut und dem Wind der Veränderung, der über allem liegt.
Die kleine Welt um mich herum, ist seit einigen Monaten ebenfalls im Wandel.  Beziehungen gehen nach vielen Jahren auseinander, Menschen hinterfragen und entwickeln sich, schlagen hart in der Realität auf, oder wachsen über sich hinaus.

Ich stehe dazwischen, nicht wie ein Fels – das wäre ich gerne – eher wie der Kieselstein am Wegesrand, der das alles über sich hinwegfegen sieht, all das wahrnimmt und sich fragt: Und was ist mit mir? – Was ist mit uns?

Wir beide sehen uns an und beginnen zu verstehen, was unsere Ehe ausmacht. Warum ein Ende nicht in Sicht ist. Noch ganz lange nicht, weil wir noch so viel vor haben, so uns das Leben die Zeit gibt. Wir beginnen zu verstehen, warum die Liebe auf dem ganzen Weg, der auch manchmal steinig, schweigsam, wuterfüllt und einsam war, trotzdem nicht auf der Strecke geblieben ist.

Nicht, weil wir hoffnungslose Romantiker sind. Sondern, weil es Werte gibt, die uns verbinden. Trotz aller Innigkeit und Liebe, trotz aller Veränderung über die Jahre – und wir haben viele Veränderungen durchlebt – sind wir uns immer selbst treu geblieben, du und ich. „I`m not gonna live my life on one side of an ampersand“ heißt es in einem Lied von Amanda Palmer. „Ich werde mein Leben nicht auf der einen Seite eines „&“ leben.“ Wir definieren uns nicht über unsere Beziehung und wir defnieren uns nicht über einander. Wir sind füreinander Geliebte, ebenbürtige Partner, Manager eines Familienunternehmens, Freunde und so vieles mehr. Und: wir sind, wer wir sind. Persönlichkeiten mit eigenen Interessen, die wir teilen oder nicht teilen, mit unseren Freundschaften, unseren Stärken und Schwächen. Wir wachsen miteinander, geben uns Raum für Veränderung. Wir stützen einander, oder helfen uns über die Schwelle. Wir sind nicht immer einer Meinung, doch wir haben Respekt voreinander. Und uns ist klar, dass wir sind nicht für das Glück des jeweils anderen verantwortlich sind.  Dennoch muss jede Veränderung, jede neue Ausrichtung des Weges, von uns beiden getragen werden. Nur so funktioniert es. Das Leben ist ein Fluss und wir sind einem stetigen Wandel unterworfen. Innen wie außen. Wir haben vor vielen Jahren diese Herausforderung angenommen und ich denke, wir machen das nicht so schlecht.

Vielleicht fegt der Wind auch deshalb manchmal so über uns hinweg. Weil wir dem standhalten können. Ich danke dir dafür.

 

 

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