Pannenhilfe

Was ich an meinem Beruf so liebe? Es wird nie langweilig! Kein Paar gleicht dem anderen, ihre Geschichten sind immer wieder neu, auch wenn sie alle zum selben Ergebnis führen (Liebe und Ehe) und die Begegnungen sind jedes Mal einzigartig.

Letzte Woche war ich im Allgäu bei einem strahlenden, jungen Paar, das ganz wunderbar erdverbunden im Leben steht. Zwei Landkinder, wie sie im Buch stehen, aber mutig ihr Ding einfach durchzuziehen. Eine freie Trauung hat man im Dorf sicher auch noch nicht alle Tage gesehen.

Da die Trauung im Wald stattfinden wird, entschieden wir uns für eine Ortsbegehung.
Wo steht der Tisch? Wie machen wir das mit dem Einzug? Brauchen wir noch zusätzliche Bänke? Wir planten und ich ließ mir ganz viel darüber erzählen, was diesen Ort für die Beiden ausmacht.

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Im Sommer wird der Kirschbaum zwar nicht mehr blühen, aber dennoch eine wunderbare Kulisse für das Paar sein.

Etwas durchgekühlt, aber guter Laune machten wir uns auf den Weg zum Parkplatz. Gerade als wir dort ankommen steigt ein Mann in seinen VW-Bus, schert nach hinten aus, kommt dabei zu weit nach hinten und gerät mit den Hinterreifen in den tiefen Schnee im Acker. Seine erste Reaktion ist, zuviel Gas zu geben und so manövriert er sich auch noch mit dem einen Vorderrad in den Schnee. Er steckt fest.
Der angehende Bräutigam läuft los und holt eine Schaufel aus dem Schuppen im Wald, die angehende Braut und ich ziehen Äste und Nadelzweige aus dem Wald. Dank des Sturms die Woche zuvor finden wir ausreichend Material.
Es wird gegraben, geschoben, (zuviel) Gas gegeben, untergelegt und noch mehr geschoben. Am Ende sehen wir aus wie Waldarbeiter, aber das Auto ist wieder frei. In der Zwischenzeit ist auch die Frau des Fahrers eingetroffen, sie war noch mit dem Hund unterwegs. Als wir ihr erzählen, dass wir gerade hier sind um eine Hochzeit zu planen, prägt sie sich das Datum ein. Sie sagt sie kommt … als Dankeschön.

Die weitere Plaung verlief ohne besondere Vorkommnisse. Bei leckerem Apfelkuchen besprachen wir die Details der Trauung. Die Braut erzählte mir, dass sie vor einigen Wochen in einer ähnlichen Situation war. Am selben Ort hatte sie eine Autopanne. Innerhalb weniger Minuten waren drei Helfer zur Stelle.
Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft scheinen oft ein rares Gut zu sein. Ich aber denke: Man muss nur genau hinschauen und bereit sein auch zu Geben, dann findet man sie noch häufig.

Langeweilig wird es mir jedenfalls mit meinen Paaren nicht.
Ich bin gespannt ob die VW-Fahrer tatsächlich zur Trauung erscheinen. Das wäre schön.