Und plötzlich bist du da – Namensgebung

„Ich habe das Gefühl, du warst immer schon hier…“

Es gibt Themen, die kommen immer geballt. Gerade ist es das Thema Namensgebung, das sich wieder in meinem Leben breit macht.

Namensgebungen, um das kurz zu erläutern, ist sind Feste,  Zeremonien, die das Kind im Leben und in der Familie willkommen heißen. Oft werden sie mit einer religösen Taufe  verglichen. Das Fest ansich hat auch einen ähnlichen Hintergrund, mit dem großen Unterschied, dass das Kind durch eine Namensgebung nicht an eine religiöse Gemeinschaft gebunden wird.

Die letzten Jahre war es mit den Namensgebungen eher ruhig, was ich persönlich sehr schade finde. Die Kinder im Leben willkommen zu heißen ist mir immer eine ganz besondere Freude! Ich denke das liegt daran, dass diese Möglichkeit noch nicht besonders verbreitet ist. Genau wie die freien Trauungen in den letzten Jahren häufiger und auch bekannter geworden sind, bin ich überzeugt davon, dass auch die Namensgebungen und Willkommensfeste in den nächsten Jahren an Zahl zunehmen werden. Tatsächlich hatte ich letzten Tagen gleich zwei Anfragen für eine Namensgebung und mit einer Familie habe ich mich bereits getroffen. Ich freue mich unglaublich darauf in die Planung zu gehen. Jede Geburt ist ein Ereigniss, dass sich kaum in Worte fassen lässt, jedes Kind ist ein Geschenk an das Leben. Wir können viel von „unseren“ Kindern lernen, wenn wir  sie mit offenem Herzen und wachem Blick begleiten. Sie zeigen uns die Welt durch ihre Augen und sie spiegeln unser eigenes Wesen wieder und zeigen uns auf wer wir sind.

Ich habe selbst zwei Kinder und auch wenn sie inzwischen unfassbar groß sind, so bin und bleibe ich eine Mama. Ihre Mama. Auch wenn sie längst keine Säuglinge mehr sind, dieses tiefe Verständnis dafür, was es bedeutet ein Kind zu bekommen, bleibt. Die Freude, die Sehnsucht, die Zweifel und Ängste und dann den Moment der absoluten Vollkommenheit, wenn das Kind nach der Geburt auf dem eigenen Bauch liegt… ich habe es erlebt. Das alles hat sich tief und unauslöschlich in meine Seele eingebrannt.

Und gerade weil ich weiß worüber „wir“ reden, weil ich fühlen kann, worum es geht und verstehe wie wichtig es ist, diesen Gefühlen Raum zu geben, sie in Worte zu fassen, auch wenn Worte immer unzulänglich bleiben werden …  Genau desshalb liebe ich Namensgebungen so sehr!  Ich liebe es, das Glänzen in den Augen der jungen Familie zu sehen und ich liebe es, wie die Schmetterlinge in meinem Bauch flattern, wenn das emotionale Gedächtnis aktiviert wird. (Das ist bei den Hochzeiten übrigens ähnlich, nur mal so am Rande.)

Manchmal sind es auch weniger schöne Geschichten, die an mich heran getragen werden. Manchmal hatten die Kinder und die Eltern einen holprigen, schwierigen Start in Ihr Leben. Krankheit und Intensivstation spielen dann in den ersten Tagen und Wochen eine tragende Rolle. Und die Eltern sind hin und her gerissen zwischen dem Glück ihr Baby zu haben und der begründeten Angst darum, ob es auch bei ihnen bleibt. Umso größer ist die Freude und der Grund zu feiern, wenn alles überstanden ist! Du bist da, du hast schon gekämpft! Wir haben gekämpft! Und jetzt atmen wir tief durch und freuen uns, dass wir es geschafft haben!

Natürlich schreibe ich jedem Kind eine Rede. In langen Gesprächen erzählen mir die Eltern den Werdegang des Kindes und die charakterlichen Besonderheiten, die viele Kinder schon direkt nach der Geburt entwickeln. Lustige kleine Marotten, wie zum Beispiel immer die rechte Socke auszuziehen. Und sie erzählen mir von ihren Wünschen und Hoffnungen, von den Wegbegleitern, Familienangehörigen und Paten, die ein festes Netz um das neue Menschlein aufgebaut haben.

Aus all den Informationen und den konkreten Vorstellungen gestalten wir dann gemeinsam eine Zeremonie für den/die neuen ErdenbürgerIn.

Häufig möchten die Paten einen Teil gewidmet bekommen. Es werden Koffer für die Zukunft des Babys gepackt, es werden Bilder mit guten Wünschen gestaltet, Ketten mit „Wunschkugeln“ gebastelt, Bäumchen gepflanzt, Mobiles gebaut… Ganz häufig wird gemeinsam mit den Gästen eine bleibende Erinnerung gestaltet, die dann ihren Platz im Kinderzimmer findet.

Was auch immer am Ende bei der Planung heraus kommt. Wichtig ist, dass die Familie und ich schließlich das Gefühl haben, dass es ein Fest für diesen einen kleinen Menschen ist. Ganz persönlich. Es soll Freude machen, alle, auch die Gäste, sollen Spaß haben und natürlich darf die festliche Komponente nicht fehlen. Die Mischung macht es aus!

Und damit wüsche ich mir ganz viele offene Familien, die ihr Kind mit einem besonderen Fest im Leben willkommen heißen wollen!

Bis bald!

Eure Nue