„Auf anderer Leute Hochzeiten tanzen“

Hallo Ihr Lieben,

Heute möchte ich Euch ein bisschen darüber erzählen, welche Reaktionen und Sichtweisen ich von außen auf meinen Beruf bekomme. Das ist manchmal ganz spannend!

Wenn ich mit anderen Menschen in Kontakt komme, werde ich irgendwann zwangsläufig darauf angesprochen, was ich beruflich mache. Wenn ich von meiner, doch eher etwas außergewöhnlichen Berufung erzähle, finden meine Mitmenschen das meist interessant, fragen nach und lassen sich häufig von der Idee begeistern. Das sind die Menschen, die mir immer wieder klar machen, dass es richtig war, überhaupt anzufangen. „Das ist ganz schön mutig von dir!“ oder „Mensch das ist so toll, dass du deine Leidenschaft zum Beruf gemacht hast!“ Natürlich freue ich mich und fühle mich dadurch unterstützt und bestätigt.

Aber es geht mir nicht darum nur gebauchpinselt zu werden. Natürlich begegnen mir auch Menschen, die mit der Thematik nichts anfangen können. Das ist völlig in Ordnung und ich kann sehr gut verstehen, dass beispielweise bei manchen Menschen die religiöse Eheschließung einen hohen Stellenwert hat. Ihr höre ihre Argumente mit Interesse und kann sie auch einfach so stehen lassen, genauso wie sie in der Regel respektvoll mit mir umgehen und es manchmal sogar „gut finden, dass es diese Alternative gibt“.

Schwieriger damit umzugehen sind für mich die Menschen, die mir ins Gesicht sagen, dass sie das alles „neumodischen Mist“ finden bezeichnen und gar nicht verstehen können, dass ich das überhaupt als Arbeit empfinde, jede Woche auf einer anderen Hochzeit zu tanzen. (Ja, doch, sowas höre ich manchmal, wenn auch eher selten.) Mit diesen Mitmenschen diskutiere ich das nicht, ich stehe da drüber.

Ich liebe meinen Job und ich weiß, dass es wirklich Arbeit ist. Klar ärgert es mich für einen kurzen Moment, aber dann denke ich: „Woher soll der/die denn wissen, wieviel Arbeit dahinter steckt?“ Es ist ja nicht offensichtlich, wie viele Stunden und Tage die Vorbereitung für so eine Hochzeit braucht. Wie lange ich am Rechner sitze und recherchiere, überlege, schreibe, verwerfe, neu anfange, wie viele Stunden ich mit Trauzeugen, Freunden, Eltern schreibe, wie oft ich auch mitten in der Nacht noch Nachrichten beantworte, wie viele Stunden ich mit dem Brautpaar zusammen sitze und versuche die beste aller Hochzeiten für sie zu entwerfen… Ach das geht endlos so weiter.

Am Ende auf der Hochzeit zu stehen und zu Sprechen, ist schließlich der Lohn für Wochen an Planung, Vorfreude und um ehrlich zu sein…  den Stress.

Ich liebe was ich mache! Jede einzelne Hochzeit ist etwas ganz Besonderes! Weil jedes Paar für mich etwas Besonderes ist! Weil sie mir an Herz wachsen! Aber jede einzelne Hochzeit bedeutet auch, dass ich mich reinfühlen darf/muss, in völlig fremde Menschen. Dass ich sie an mich ran lassen muss um sie zu verstehen, dass ich ihre Wünsche und Bedürfnisse wahrnehmen muss und zu ihrem besten umsetzen.

Jede Hochzeit bedeutet eine unglaubliche Verantwortung! Für mich ist es wichtig, dass wir am Ende alle zufrieden und glücklich sind. Dieser Moment ist nicht wiederholbar, ich darf es also nicht versemmeln! Es muss für mein Paar so perfekt wie möglich sein!

Nicht mehr, aber auch nicht weniger ist mein Anspruch. Und das macht meine Arbeit zu so viel mehr, als „nur auf den Hochzeiten anderer Menschen zu tanzen!“