In Kontakt sein

Jetzt sitze ich da… an meinem Schreibtisch. Um mich herrum liegen viele Zettel, Fragebögen, ausgedruckte Emails, Bücher, natürlich auch eine Tasse Kaffe, das Telefon und mein Handy.

Ich kann Euch ja mal zeigen, wie das gerade in diesem Moment, ganz ungeschminkt bei mir aussieht:wp-1466059290781.jpeg

Mein Büro ist klein und leider platzt es immer aus allen Nähten, weil ich mein gesamtes Material hier lagern muss. Über eine Saison kommt da ganz schön was zusammen. Im Winter verschwindet das alles dann im Keller. Rechts der Korb ist beispielsweise schon für die nächste Hochzeit gepackt.

Nach den vielen Gesprächen, beginnt jetzt die Zeit, in der ich mich ein wenig einigle. Denn jetzt gilt es die Hochzeitsrede zu schreiben.  Meine Paare hören in der Zeit wenig von mir, aber ich versuche immer in Kontakt zu bleiben. In der letzten Zeit hat sich Whatsapp eingebürgert. Über den Messenger kann ich unkompliziert nachfragen: Ist alles ok bei Euch? Geht es Euch gut? Könnt ihr mal die Treuzeugin/den Trauzeugen anstuppsen, die/der antwortet mir nicht… und so weiter.

Das Schreiben ansich ist ein Prozess. Oft kommt es vor, dass ich schon während des Gesprächs eine Idee habe. Wichtig ist immer ein guter Aufhänger, etwas, dass alle Gäste (und Euch!) aufhorchen lässt: Worum geht es hier? Ahhh.. interessant.

Häufig ist der Aufhänger ein besonderes Lebensmotto, eine gemeinsame Leidenschaft des Brautpaares, der besondere Umstand unter dem Ihr Euch kennengelernt habt, ein witziges Ereignis…

Über die Zeit habe ich gelernt, dass sich wirklich ALLES mit dem Thema Hochzeit verbinden lässt. Ich habe Reden für Informatiker geschrieben, für Golfspieler, für Automechaniker, Mittelalterfans, Skifahrer…

Dabei kommt es nicht darauf an, dass ich viel vom jeweiligen Thema verstehe, das kann ich alles nachlesen und im Zweifelsfall nachfragen. Es kommt darauf an, dass ich etwas transportiere, nämlich Eure ganz persönliche Geschichte, Eure Art, Eure Liebe, Eure Besonderheit. Ich gebe zu, manchmal fällt mir das leichter als in anderen Fällen. Manche Reden können auch kleine Schlachtfelder sein, auf denen ich meine persönlichen Widerstände überwinden muss. Es gab auch Reden, die mir alles abverlangt haben, weil das Paar beispielsweise von einem schlimmen Schicksalsschlag in den nächsten gerutscht ist und ich oft nur weinen wollte und nicht wusste, wie sie das alles überhaupt schaffen und gleichzeitg so unglaublich fasziniert davon war, dass sie immer weiter machen und Ihre Liebe ihnen Kraft gibt nicht aufzugeben…

Egal was kommt, für mich ist es die Herausforderung, die Challenge, die zählt. Ich will Eure Geschichte erzählen. Bestmöglich. Das größte Geschenk für mich ist, wenn  die Gäste und das Paar während der Rede lachen, mit mir in Interaktion gehen (nicht nur steif zuhören) und weinen. Dann weiß ich: Ich habe alles richtig gemacht!

Gerade weil so eine Rede ein Prozess ist, kann ich nicht sagen, wie lange ich dafür brauche. Manche gehen schnell (ca. 10- 15 Stunden) andere dauern lange (Wochen!). Manche sind sofort perfekt so wie sie sind, an anderen schleife ich noch eine ganze Weile. Es kann vorkommen, dass ich Nachts um drei aufwache und mich hinsetze, weil ich eine Idee habe, die ich unbedingt aufschreiben muss.

Vielleicht könnt Ihr dadurch verstehen, dass ich die Reden, wenn überhaupt, erst recht knapp vor der Trauung rausgeben kann. Ich werde auch sehr selten danach gefragt, ob das Paar die Rede vorher lesen darf. Selbstverständlich dürft Ihr das und selbstveständlich würde ich auch noch einmal Änderunge vornehmen.

Was ich in so einem Fall nur zu bedenken gebe: Die geschriebene Rede kann NIE das Gefühl wiedergeben, dass ich mit meinem Vortrag transportieren werde. Gesprochenes Wort wirkt ganz anders und manche Stellen werden vielleicht auch erst durch meinen Tonfall, meine Mimik und Gestik oder einen eingeschobenen Scherz, so  wie sie von mir gedacht sind.

Eine Alternative ist es, den Text einer verrauten Person zuzusenden, die mir ihre Meinung dazu rückmeldet.

Aber normalerweise lassen sich meine Paare überraschen und bisher hat noch jede Rede gefallen.

Und weil ich jetzt auch gleich wieder eine Rede schreiben darf, eigentlich schon mitten drin bin, sage ich jetzt „Aufwiederlesen“

Eure Nue

 

 

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